• janice.allermann

Meine Angstzustände = Mein schlimmster Dämon & mein größter Lehrmeister

Wie ich meine Angstzustände sehe hat sich über die Zeit verändert – anfänglich war es das schlimmste was mir jemals passiert ist – eine zu große Last – wenn mich Angstzustände und Panikattacken überkamen war es das Ende – ‚ich kann damit nicht leben – ich will das es vorbei ist – ich will das es weggeht‘ – zu wissen, dass es nicht weggeht, dass es etwas ist, was ich für den Rest meines Lebens mit mir herumtragen werde, machte es nur noch schlimmer.


Ich fühle noch immer, dass die Angst etwas ist, was mich niemals verlassen wird – einmal da, bleibt sie für immer. Was sich verändern kann (und für mich hat) ist die Einstellung zur Angst – wie ich mit ihr umgehe, wenn die ersten Anzeichen auftauchen – wie ich mit ihr umgehe, wenn sie mich mit voller Kraft trifft.


Die Angst wurde zu meinem Wegweiser, meinem Lehrmeister, meinem Warnsignal – meine Angstzustände sind die logische Reaktion meines Organismus auf dysfunktionale äußere Umstände – die logische Reaktion meines Systems auf ungesunde Situationen in meinem Leben.



Ich habe Tage, an denen ich dankbar für meine Angst bin – da sie mir beigebracht hat besser auf mich acht zu geben. Sie hat mir beigebracht, dass ich mich nicht gewaltvoll durchs Leben boxen kann – immer am Kämpfen – sondern, dass ich langsamer werden muss, mir selbst Pausen geben muss.


Meine Angstzustände und Panikattacken haben mich dazu gebraucht die Bedeutung des Lebens zu hinterfragen – was ist wirklich wichtig im Leben? Sie haben mir gezeigt, dass mein Leben eines Tages zu Ende sein wird, dass ich nicht mit einer ‚mir doch egal-Einstellung‘ durchs Leben gehen kann. Es ist wichtig Bedeutung zu finden – ein Gefühl der Sinnhaftigkeit.


In Angesicht von Angst und Panikattacken fällt alles unwichtige weg – all die Dinge, von denen ich dachte, dass sie wichtig wären, stellten sich als absolut nichtig heraus. Was macht es aus ob man tolle Klamotten, Schuhe, Geld, etc. hat? Egal was für materielle Errungenschaften man besitzt, egal welche Karriereleiter man erklommen hat – es bedeutet nichts im Angesicht einer Panikattacke.


Angstzustände zu haben ist wie eine flache Schale mit Wasser umhertragen. Man muss besonders vorsichtig sein das Wasser nicht zu verschütten – man muss sich vorsichtig bewegen – etwas vorsichtiger (nachsichtiger) durchs Leben gehen. Wenn man sich zu schnell und abrupt bewegt, läuft das Wasser über – nimmt die Angst überhand – man muss zurück gehen, um die Schüssel mit Wasser wieder aufzufüllen – man muss eine Pause einlegen, um sich von der Angst/Panikattacke zu erholen.


Von Zeit zu Zeit passiert dies noch immer – ich habe das Gefühl es läuft in Phasen ab – es gibt Zeiten in meinem Leben, in denen ich keinen einzigen Gedanken an die Angst verschwende und dann gibt es Phasen, in denen ich mich fühle als ich hätte ich nichts gelernt seit Tag 1 – seit meine Panikattacken und die Angst zum ersten mal auftauchten. Wenn ich so tief drinstecke, dass ich das Licht am Ende des Tunnels nicht sehe – dass die Last wieder einmal zu schwer zu tragen wird – dass ich mich zu schwach fühle – dass der Dämon stärker, mächtiger ist.


Es hilft liebevolle Menschen um mich zu haben; es hilft außerdem zu wissen, dass ich bisher immer am anderen Ende wieder heraus gekommen bin. Und doch überrascht es mich jedes Mal, wenn ich tatsächlich am anderen Ende wieder rauskomme, wenn ich mich von einer Angst-/Panikattacke erhole und zu meinem ‚regulären Leben‘ zurückkehre.


Ich habe in meinem Leben seit meiner ersten Panikattacke 2013 viel Veränderungen vorgenommen. Viele dieser Veränderungen schienen sich einfach in mein Leben einzuschleichen – was sich einmal als gut für mich herausstellte, schien mit der Zeit größer zu werden – ohne dass ich es erzwingen musste – es geschah ganz natürlich. Gesündere Verhaltens-/Lebensweisen entstanden und ließen die ungesünderen verblassen.


Im Großen und Ganzen hat die Geschwindigkeit meines Lebens abgenommen – mein Leben hat mehr an Sinnhaftigkeit gewonnen – ein Haufen unwichtigen Bullshits ist verschwunden – mein Lebensstil ist gesünder geworden – ich nähre meinen Körper und meinen Geist indem ich gesund und regelmäßig esse, genug schlafe (ganz wichtig für mich; Schlafmangel ist einer meiner größten Trigger für meine Angst), Yoga und Meditation praktiziere, was mir dabei half ein besseres Gefühl für mich selbst und meine Bedürfnisse zu entwickeln.


Manchmal frage ich mich, ob meine Angst mich einschränkt – so viel meines ‚alten Lebens‘ ist verschwunden – ich frage mich, ob mein Leben anders – ‚besser‘ – wäre, wenn ich noch immer so leben könnte wie früher – trinken, Drogen nehmen, ausgehen, zu wenig schlafen. Doch dann schenke ich mir selbst ein Lächeln und frage ‚Will ich wirklich zu diesem Leben zurückkehren?‘ – ein Leben, dass sich darum drehte jegliche tiefere Bedürfnisse zu unterdrücken, dass sich anfühlte als wäre ich ohne Sinn, wo jegliche Bedeutung nur in externen Reizen zu finden war.


Meine Angstzustände und Panikattacken zwangen mich mein ganzes Leben in Frage zu stellen – sie zwangen mich meine Lebens-Entscheidungen noch einmal anzugucken – sie zwangen mich tiefgreifende und nachhaltige Veränderungen zu vorzunehmen. Ich gucke nicht mehr nach außen wenn es um wichtige Lebens-Entscheidungen geht – ich lasse mich nicht mehr von den Regeln der Gesellschaft leiten – ich lasse mich von dem leiten was sich für mich gut und richtig anfühlt. Dies ist das größte Geschenk was meine Angst mir gemacht hat: Ich bin die wichtigste Person in meinem eigenen Leben geworden.



Hast du jemals Angstzustände erfahren? Lebst du mit Angst und/oder Panikattacken? Du bist nicht allein. Du wirst damit leben müssen, aber ihr könnte Freunde werden.

Berichte gerne von deiner Geschichte, schreib mich gerne an.



Warum und wie meine Panikattacken begannen und meine Angst entstand? Wenn ich bereit bin darüber zu schreiben, wirst du es hier auf meinem Blog lesen können.




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